Rosenkranz und Litanei

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Scheninger
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Rosenkranz und Litanei

Beitragvon Scheninger » 06.12.2015, 00:03

Guten Abend

Und wieder eine Geschichte von Herrn d’Champicnac.
Er wohnt immer noch in Süddeutschland, am Rand des Schwarzwaldes, daher sind Ausflüge in die Berge für ihn kein Problem.
Die Geschichte hat sich im Frühjahr 2009 ereignet.
Viel Spass beim Lesen.

Richarde Scheninger

Rosenkranz und Litanei von Mike d’Champicnac

Jeder soll nach seiner Fasson selig werden, so sagt man.
Allerdings ist selig ein doch ziemlich dehnbarer Begriff.
Und manchmal wird er dermassen ausgeweitet, dass man unwillkürlich glaubt, in die Fänge einer überwirklichen Ratte gelangt zu sein.
Dann heisst es nur noch: Rette sich wer kann!

*
Das derzeitige Wetter ist doch von einer Art, dass man zu Tagesausflügen geradezu gedrängt wird.
Der Schwarzwald liegt vor der Haustür, da bietet es sich doch an, mal kurz dort hochzufahren.
Ich habe mich mit Astrid zu einem solchen Ausflug verabredet.
Sie ist nicht meine Freundin, aber man wird sehen wie sich das entwickelt.
Und da Miezka einen Riesenaufstand macht, als sie merkt, dass ich gehen will, kommt sie natürlich auch mit.
Astrid kennt Miezka, aber sie ist doch ziemlich erstaut, dass ich sie mitnehmen will.
Meine Erklärung, dass ich sie hier nicht alleine rauslassen könnte, wegen der Strasse, akzeptiert sie zwar, ist aber trotzdem skeptisch.
Sie wundert sich erst über das Netz, das hinter den Sitzen quer gespannt ist, aber dann findet es sie als eine gut Lösung für Miezka.
Also, dann mal los.
Astrid wird von Miezka erst mal völlig ignoriert, keine Annäherungsversuche, aber auch kein warnendes Fauchen. Sie scheint für die Fellnase völlig inexistent zu sein.
In der Gegend um Todtmoos ist es wunderschön und ich kenne dort auch ein sehr gutes Restaurant mit Aussenbewirtschaftung.
Das ist wichtig, denn Miezka kann da herumstromern und sie kann uns wieder finden.
Sie schaut sowieso alle paar Minuten, ob ich noch da bin.
Im Hochschwarzwald angekommen, laufen wir erst mal ein Stück und schauen die Gegend an.
Weit kommen wir nicht, denn Miezka muss alles beschnüffeln und untersuchen.
Sie hascht nach Schmetterlingen und schaut begierlich den Vögeln nach.
Nach einiger Zeit gehen wir wieder vom Berg runter und in die Richtung des gastronomischen Ereignisses.
Das Essen war wirklich exzellent, abgesehen von der Tatsache, dass Miezka sehr schnell gespannt hat, dass es Forelle nach Art des Hauses gibt und daraufhin gleich eine intensive Betteltour gestartet hat.
Wir kommen auch mit der Bedienung ins Gespräch.
Ob wir schon die Kirche von Todtmoos angeschaut hätten, das wäre eine Wallfahrtskapelle und wirklich sehenswert.
Nun bin ich nicht unbedingt ein Freund solcherart klerikaler Instanzen, aber ich weiss mittelalterliche Architektur und Handwerkskunst durchaus zu würdigen.
Daher versprachen wir, uns das anzuschauen.
Nun kann man zwar bequem zu Fuss dorthin kommen, aber wenn Miezka unterwegs alles untersuchen will, würde es wohl spät in der Nacht sein, bis wir ankämen.
Nun denn, rein ins Auto und los geht’s.
Rosenkranz und Litanei
und dazu an’ Südfunk drei
fahr’n wir jetzt in Todtmoos ei’,
Oh Maria steh uns bei!
Die Kirche ist in etwa in der Ortsmitte.
Sie ist offen und es ist kein Gottesdienst, also können wir sie besichtigen.
Einige wenige Leute sind da, ein Touristenpärchen und zwei ältere Frauen auf den vorderen Kirchenbänken.
Ich muss sagen, Hut ab vor den Innenarchitekten und Handwerkern der Kirche; was die vor Jahrhunderten zustandegebracht habe, ist schon eine reife Leistung, obwohl es nicht meinem Geschmack entspricht.
Wir schauen uns alles an, Miezka habe ich an der Leine, ich will sie nicht im heissen Auto lassen und draussen anbinden wie einen Hund will ich sie auch nicht.
Miezka untersucht alle möglichen Ecken intensiv.
Die beiden älteren Frauen murmeln etwas, wahrscheinlich ein Gebet. Wir beachten sie nicht.
Miezka zeig komischerweise eine immer mehr steigende Unruhe.
Auch mich stört irgend etwas, aber ich kann nicht genau sagen war es ist.
Worte sind zu hören, von einer gebenedeiten Frucht des Leibes oder so ähnlich.
Miezka drückt sich jetzt an mich und will auf den Arm genommen werden.
Sie zeigt deutlich Zeichen aufkommender Panik.
Noch habe ich nicht begriffen was los ist.
Das Murmeln der Frauen wird lauter.
„Gelobt seist du Maria,
du bist gebenedeit unter den Weibern...“
Immer lauter geht die Litanei.
In ihren Händen habe die Frauen eine Perlenkette und zählen beim Gebet Perlen ab.
Ich bin nicht katholisch aber jetzt begreife ich, was hier los ist.
Die beiden beten einen Rosenkranz.
Nun ist aber eine Kirche, und besonders eine Wallfahrtskirche, im Inneren so etwas wie ein akustischer Verstärker.
Will heissen, es hallt mittlerweile ziemlich laut in der Kirche.
„Gelobt seist du, Maria...“
Miezka drückt sich jetzt angstvoll an mich.
„und gebenedeit seist du unter den Weibern...“
In Miezka’s Ohren muss das furchtbar klingen.
„Gebenedeit sei die Frucht deines Leibes...“
Das Gebet wird immer lauter, es wiederholt sich endlos in immer gleichen Sätzen.
Gebenedeit.... gebenedeit... gebenedeit...
Auch mir wird ganz anders, ich muss hier raus, das ist nicht zum aushalten!
Frucht des Leibes... Maria... unter den Weibern...
So etwa stell ich mir die Gehirnwäsche diverser Geheimdienste vor.
Nur nichts wie raus!
Astrid macht das ganze scheinbar nichts aus: „Ja, ja, dann wartet eben draussen, ich komm dann gleich.“
Die akustische Horrorberieslung hinter mir, das verängstigte Katzentier auf dem Arm, flüchte ich in’s Freie.
Endlich draussen!
Das ist echte Erlösung.
Erst mal irgendwo hinsetzen.
Ganz, ganz langsam beruhigt sich auch Miezka.
Kätzchen, was habe ich dir da angetan?
Fehlt jetzt nur noch Astrid.
Wo bleibt sie nur so lange?
Eigentlich sollte ich nach ihr schauen, aber wieder da rein?
Die Zeit vergeht und Astrid ist immer noch in der Kirche.
Ich will jetzt mit Miezka nach Hause, also muss ich doch nach Astrid schauen.
Nur ganz kurz und dann wieder raus.
Aber wie ich mich auf den Weg zum Kirchenportal machen will, macht Miezka einen Aufstand und wehrt sich mit Zähnen und Krallen dagegen.
Sie will auf gar keinen Fall wieder da rein!
Dafür habe ich vollstes Verständnis.
Und irgendwann kommt auch Astrid.
Ziemlich schweigsam fahren wir nach Hause.
Gelobt sei Maria alle Zeit,
Ja so ne’ Wallfahrt ist a’ Freud.

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Hans Gurtner
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Re: Rosenkranz und Litanei

Beitragvon Hans Gurtner » 27.08.2018, 09:59

Werter Herr Scheninger.

Sie schreiben gar merkwürdige Dinge wie....
"Aber wie ich mich auf den Weg zum Kirchenportal machen will, macht Miezka einen Aufstand und wehrt sich mit Zähnen und Krallen dagegen."

Auch ich gehe gerne jährlich gar dreimal auf Wallfahrt, nur verstehe ich nicht, dass Sie hierzu Ihre Katze mit nehmen.
Unsere Hauskatze heißt übrigens Muizka.

Etwas verwirrt, Hans Gurtner.
:Bibel


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